Folgender Artikel wurde uns von der Redaktion des Vorboten (Österreich) zugeschickt.

 

Vorbemerkung zur online Veröffentlichung (Dezember 2019)

Die Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein verkündete nun, dass das Glyphosat-Verbot wegen eines „Formalfehlers“ nicht in Kraft treten könne. Offensichtlich ist den Herrschenden auch keine noch so fadenscheinige „Erklärung“ zuwider, dass Glyphosat trotz erheblicher Risiken für die Gesundheit, die Umwelt und Böden, erlaubt bleibt. Dieser „Formalfehler“ ist jedoch kein zufälliges Missgeschick von „Behörden“, haben doch große internationale Konzerne wie Monstanto und Teile der Herrschenden in Österreich großes Interesse daran Glyphosat nicht zu verbieten.

Dass auch die angeblichen Glyphosat-“Kritiker“, Grüne, SPÖ, Neos und FPÖ weniger der Schutz der Umwelt und die Gesundheit der Bevölkerung antreibt, zeigt ein naturwissenschaftlicher Artikel aus dem in Österreich herausgegebenen Theorieorgan „Vorbote – Für Weg und Ziel der revolutionären Bewegung“, Ausgabe vom April/Mai 2018. Diesen möchten wir hier veröffentlichen, denn er zeigt auf, dass es nicht nur darum geht sich gegen Glyphosat zu stellen, sondern wie Düngemittel im Allgemeinen heute von den Imperialisten verwendet werden, um die Ausbeutung und Unterdrückung voranzutreiben. Der Artikel beschreibt die historische Entwicklung und Verwendung von Düngemittel, sowie auch den Einsatz und die Entwicklung von Düngemittel im Kampf für den Aufbau des Sozialismus in China und der Sowjetunion. Er zeigt, dass auch die Frage von Glyphosat und Düngemittel nichts „neutrales“ oder unabhängiges vom Klassenkampf und den herrschenden Produktionsverhältnissen ist und gibt allen kämpferischen und revolutionären Kräften ein gutes Werkzeug in die Hand sich auch in dieser Frage nicht durch die Herrschenden verwirren zu lassen.

Obwohl der Artikel schon vor dem Beginn der aktuellen thunbergschen „Klimabewegung“ erschienen ist, legt er einige grundsätzliche Positionen dar, die heute umso notwendiger von allen AktivistInnen in dieser Frage aufgegriffen werden müssen. Er zeigt, dass der Kampf für die Umwelt nicht gemeinsam mit den Herrschenden, sondern nur gegen das imperialistische System geführt werden kann, denn auch die Naturwissenschaft wird nicht unabhängig von den Interessen der verschiedenen Klassen entwickelt. Gerade in dieser Frage wollen die Führung der Klimabewegung und die Herrschenden Verwirrung stiften, indem sie den Klima- und Umweltschutz als „vereinendes Interesse aller Menschen“, scheinbar ohne jedes Klasseninteresse darstellen und somit versuchen, die Klimabewegung zu einer Stütze ihrer Interessen zu machen. Der Artikel gibt allen kämpferischen Umweltaktivisten und Revolutionären eine wichtige Grundlage, um den Kampf für Klima und Umwelt als Teil des Kampfes gegen das Kapital zu entwickeln.

Redaktion des Vorboten, Dezember 2019

 


Zur aktuellen Glyphosat-Debatte

Seit Jahren wird in den bürgerlichen Medien eine Diskussion über Glyphosat und seine möglichen Gesundheitsrisiken geführt. Im März 2015 wurde Glyphosat von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als wahrscheinlich beim Menschen krebserregend eingestuft. Entgegen dieser Einstufung schlug das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung und die Behörde für Lebensmittelsicherheit vor, Glyphosat als nicht krebserregend zu klassifizieren, was sowohl von den großen Düngemittelhersteller (Monsanto und Bayer), wie auch vielen Regierungsmitgliedern unterstützt wurde und wird. Auch die österreichische „Industriegruppe Pflanzenschutz“ betitelt diese Zulassung als „längst überfällig“ und bezeichnet Glyphosat als „hochwirksam und umweltfreundlich“, was auch die ÖVP-Umweltsprecherin und ehemalige EU-Abgeordnete Elisabeth Köstinger unterstützt. Nun wurde Ende 2017 die Wiederzulassung in der EU für die nächsten fünf Jahre beschlossen. Gerechtfertigterweise gibt es dagegen von zahlreichen Umweltorganisationen, NGOs und selbst von bürgerlichen Wissenschaftlern Widerstand. Diese Kritik von  bürgerlichen Organisationen, wie beispielsweise Global2000 oder Greenpeace, aber auch von imperialistischen Staaten, allen voran Russland, das die Produktion und den Import von genverändertem Saatgut schon 2006 verboten hat, ist Ausdruck der zwischenimperialistischen Widersprüche. Die Konkurrenz zwischen den Imperialisten führt dazu, dass es auch im imperialistischen Lager keine geschlossene Haltung zu Glyphosat gibt.

Die Debatte über Glyphosat auf ein „Ja oder Nein“ zu beschränken, hieße den Imperialisten auf den Leim zu gehen, so wichtig und gerechtfertigt der Protest dagegen auch ist. Der russische Imperialismus beispielsweise besitzt seine eigene Saatgutproduktion und steht in Konkurrenz mit den USA, das ist die Ursache seiner Kritik an Glyphosat, nicht aber eine proletarische Anschauung, oder die „Sorge um das Wohl der Menschheit“. Die Debatte zeigt auf der einen Seite den Standpunkt der Monopolbourgeoisie und die Widersprüche zwischen den Monopolen und auf der anderen Seite den idealistischen Standpunkt eines „klassenneutralen Umweltschutzes“, der sich den Interessen des einen, oder des anderen Imperialisten unterordnet.

Doch so wie die Debatte geführt wird erweckt es den Anschein, dass es um ein “Ja oder Nein“ ginge, als wäre die technische Umsetzung, beispielsweise die Anwendung welches Düngemittels, die entscheidende Frage. Entschieden muss geantwortet werden: Es ist eine Klassenfrage! Deshalb interessiert hier vor allem die proletarischen Anschauung in der Frage der landwirtschaftlichen Produktion und der Düngemittel.

Düngemittel werden schon seit über 5000 Jahren verwendet, sie sind Produktionsmittel die entwickelt wurden, um die landwirtschaftliche Produktion in den Dienst der Entwicklung der Menschheit zu stellen. Eine Pflanze, aber ebenso Mensch und Tier, braucht gewisse Bedingungen damit sie wachsen kann, innere sowohl äußere Widersprüche bestimmen ihre Entwicklung, wobei die Hauptseite die inneren Widersprüche sind. Die äußeren Widersprüche (Nährstoffe, Wetterbedingungen,…) beeinflussen das Wachstum und den Ertrag einer Pflanze, die jedoch die Voraussetzungen, die inneren Widersprüche, mitbringen muss, das heißt  die äußeren wirken durch die inneren Widersprüche. „Eine richtige Erkenntnis biologischer Erscheinungen ist nur vom Standpunkt des dialektischen Materialismus möglich. Und demgegenüber ist es besonders schädlich, die in den Organismen ablaufenden Prozesse nicht in ihrer Entwicklung, sondern erstarrt und losgelöst von ihren Wechselbeziehungen zur Umwelt zu sehen.“[1]

Damit ein zunehmend systematischer Anbau von Nutzpflanzen und ein besser kalkulierbarer Ertrag gewährleistet werden kann, hat der Mensch sich verschiedenste Mittel geschaffen, ein entscheidendes dafür war die Entwicklung von Düngemittel. Düngemittel sind ein bewusstes Eingreifen des Menschen in die natürliche Umwelt, ein Mittel zur Lösung des Widerspruchs, um das Wachstum der Pflanze und den Ernteertrag zu beeinflussen. Somit kann die Quantität gesteigert werden.

 

Düngemittel im Imperialismus

Wie alles in einer Klassengesellschaft, hat auch der Dünger einen Klassencharakter. Die Produktionsmittel sind in der Hand der imperialistischen Bourgeoisie. Die kapitalistische Produktionsweise, die auf dem Privatbesitz an Produktionsmitteln basiert, ist die Grundlage der Bourgeoisie um immer größere Profite aus der menschlichen Arbeitskraft herauszupressen. Besonders durch die Monopolisierung im Imperialismus (und speziell in seiner letzten Phase, seiner totalen Niederlage) verwandelt sich der Dünger immer mehr zu einem Mittel der Unterdrückung der Arbeiterklasse und speziell der Volksmassen, sowie zu einem Mittel der Verwüstung von Umwelt und Natur. Mit dem Imperialismus verwandelte sich der Charakter von Düngemittel von etwas dem Fortschritt dienendem, zu etwas das den Fortschritt hemmt.

Das viel diskutierte Glyphosat ist ein gutes Beispiel zur Verdeutlichung des Einsatzes von Düngemittel zur immer steigenden Plünderung und Unterdrückung der Volksmassen. Glyphosat ist das weltweit am häufigsten eingesetzte Pestizid, weltweit wurden 2014 rund 826.000 Tonnen Glyphosat verkauft. Seine pflanzenvernichtende Eigenschaft wurde in den 1970er Jahren von Monsanto patentiert und unter dem Namen „Roundup“ auf den Markt gebracht. Es wirkt „nicht-selektiv“, was heißt dass alle Pflanzen vernichtet werden außer der entsprechenden Nutzpflanze, die gentechnisch so verändert wurde, dass sie dagegen resistent ist. Die Folgen werden berechtigterweise teilweise selbst von bürgerlichen und kleinbürgerlichen Umweltorganisationen scharf kritisiert: Entwicklung einer Glyphosat-Resistenz, langfristige Verwüstung großer Landflächen, nachhaltige Schäden für Umwelt und Lebewesen, krebserregende Auswirkungen auf den Menschen[2], Wasserverschmutzung usw. All diese Auswirkungen zeigen klar, dass der Imperialismus Reaktion auf ganzer Linie ist. Die Imperialisten sind nicht fähig, langfristig zu denken, sondern gehen ihrem Untergang entgegen und können sich nur durch noch größere Aggression, Verwüstung und Plünderung am Leben halten.

Die Reaktion auf ganzer Linie zeigt sich auch in der bürgerlichen Wissenschaft, die die Verwüstung von Umwelt und Natur, die Ausbeutung des Menschen, theoretisch untermauert. Die Forschung der Imperialisten in der Landwirtschaft und Düngemittelproduktion, besser gesagt die der Monopolkonzerne wie bspw. Monsanto und Bayer[3] konzentriert sich im wesentlichen auf die mechanische Veränderung der Umwelt und der Pflanze. Die Pflanze wird isoliert von ihren Lebensbedingungen betrachtet, einerseits isoliert von den konkreten Umweltbedingungen der jeweiligen Region (Boden, Monokultur, Wetterbedingungen, usw…), aber auch von den Produktionsverhältnissen und der menschlichen Arbeitskraft, die in der landwirtschaftlichen Produktion tätig ist. Kurz gesagt, die Pflanze wird nicht in ihrer Entwicklung und dialektischem Verhältnis zu ihrer Umwelt betrachtet, sondern als unveränderlich und immer gleichbleibend. Das steht in diametralem Gegensatz zur proletarischen Weltanschauung: „Das Leben ist die unaufhörliche Vorwärtsbewegung aller Lebewesen, welche in der Veränderung ihrer Form und ihres Inhalts zum Ausdruck kommt, die vom Einfluss der sich ständig ändernden Umweltbedingungen abhängen.“[4] und negiert die historisch dialektisch materialistische Lehre von Einheit und Kampf der Widersprüche: „Der Organismus und die für sein Leben notwendigen Bedingungen stellen eine Einheit dar (...)“(ebd.) Die mitschurinsche Lehre bestätigt, dass die Dinge in ihrer Entwicklung betrachtet werden müssen und das Primäre die inneren Widersprüche sind. Der Vorsitzende Mao Zedong stellt dazu fest: „Allen Dingen wohnt diese Widersprüchlichkeit inne, und sie ist es, die die Bewegung und Entwicklung dieser Dinge verursacht. Diese innere Widersprüchlichkeit der Dinge ist die Grundursache ihrer Entwicklung, während der Zusammenhang und die Wechselwirkung eines Dinges mit anderen Dingen sekundäre Ursachen darstellen. Somit tritt die materialistische Dialektik der Theorie von der äußeren Ursache, vom äußeren Anstoß, die dem metaphysischen mechanischen Materialismus und dem metaphysischen vulgären Evolutionismus eigen ist, entschieden entgegen.“[5] Monsanto, Bayer usw. und die bürgerliche Wissenschaft die ihrer Forschung zugrunde liegt, sind eben bestenfalls Vertreter eines mechanistischen Materialismus. Die Pflanze wird nicht aus der eigenen Widersprüchlichkeit heraus verändert, sondern sie reißen die Widersprüche auseinander und kreieren davon losgelöst eine „neue Genetik“, indem sie die Pflanze gegen genau ein Herbizid resistent machen. Losgelöst von konkreten Bedingungen wird das selbe Saatgut und das selbe Herbizid überall auf der Welt verwendet, was die mechanische und schematische Anschauung der Imperialisten unterstreicht. Sie passen die Pflanze nicht an, sie verändern sie nicht, sondern kreieren etwas anderes. Sie entwickeln sie nicht sprunghaft genetisch, sondern führen einen Sprung herbei, ohne das die Bedingungen dafür vorhanden sind. Deshalb ist das Roundup auch kein Instrument um den Ertrag langfristig zu steigern, sondern vor allem die Abhängigkeit der (Klein-)Bauern zu steigern und kurzfristig hohe Gewinne zu erzielen. „Es ist klar, dass rein äußere Ursachen nur eine mechanische Bewegung der Dinge hervorzurufen vermögen, das heißt eine Vergrößerung oder Verkleinerung des Umfangs, Vermehrung oder Verminderung der Menge; es lässt sich aber aus ihnen nicht erklären, warum den Dingen eine unendliche qualitative Mannigfaltigkeit und ihre wechselseitige Verwandlung ineinander eigentümlich sind. In Wirklichkeit wird selbst die durch einen äußeren Anstoß ausgelöste mechanische Bewegung ebenfalls mittels der inneren Widersprüchlichkeit der Dinge bewerkstelligt.“[6]

Die idealistische und mechanistische Betrachtung des objektiv Gegebenen ist nichts Neues in der bürgerlichen Naturwissenschaft. Ein wichtiges Merkmal der bürgerlichen Vererbungslehre ist die Theorie, dass die Genstruktur immer gleich bleibt. Schon die Begründer der bürgerlichen Vererbungslehre negieren die innere Widersprüchlichkeit, der Kampf der Widersprüche und die unaufhörliche Weiterentwicklung der Dinge in Sprüngen: „Die moderne bürgerliche Biologie basiert auf den Lehren Weismanns, Mendels und Morgans, auf der sogenannten Chromosomentheorie der Vererbung. Diese bestreitet die Möglichkeit einer Vererbung der von den tierischen und pflanzlichen Organismen erworbenen Merkmale und Eigenschaften.“[7] Es wird nicht davon ausgegangen, dass neu erworbene Merkmale weitervererbt werden können, somit wird die Neubildung der Vererbungssubstanz ausgeschlossen. Der proletarische Standpunkt betrachtet die Dinge in ihrer Entwicklung und kann somit erst wirklich planmäßig und bewusst verändernd eingreifen: „Die Kenntnisse  der natürlichen Bedürfnisse und Beziehungen eines Organismus zu seinen Umweltbedingungen gibt die Möglichkeit, das Leben und die Entwicklung dieses Organismus zu lenken. Die Lenkung der Lebens- und Entwicklungsbedingungen der Pflanzen und Tiere erlaubt ein immer tieferes Eindringen in ihre Natur und damit die Feststellung, welche Mittel zu ihrer Veränderung in eine dem Menschen nützliche Richtung führen. Aufgrund der Kenntnis der Mittel zur Lenkung der Entwicklung können die Erbanlagen der Organismen in bestimmter Richtung verändert werden.“[8] Aus dem Standpunkt der Bourgeoisie heraus, kann nur die Quantität verändert werden, oder etwas „Anderes“ kreiert werden. Die bürgerliche Naturwissenschaft geht nur von einer Möglichkeit der Kreuzung (Mendelsche Lehre) von verschiedenem Erbgut aus, nicht von einer qualitativen Entwicklung und muss deshalb zwangsweise reaktionär, konservativ sein und die Widersprüche zwischen Produktionsverhältnissen und Produktivkräften immer weiter verschärfen. Aufgrund der These Weismanns[9], dass die Genetik in der Vererbung immer gleich bleiben muss, fand Weismann auch großen Anklang bei den Nazis und ähnlichen Vertretern der „Rassentheorie“, die wiederum wesentlich darauf begründet ist, dass es eine „reine“ und „unveränderliche“ Erbsubstanz geben könnte und dementsprechend eine „Vermischung der Rassen“ verhindert werden könne.

Diese idealistische und mechanistische Anschauung in der bürgerlichen Wissenschaft, die den Widerspruch zwischen Pflanze und Natur als antagonistisch und die Pflanze nicht als Ausdruck des Allgemeinen betrachtet, findet sich auch in der heutigen bürgerlichen Agrarwissenschaft. Craig Venter, ein US-amerikanischer Biochemiker und einer der bekanntesten Gen-Forscher der heutigen bürgerlichen Wissenschaft, schuf die erste synthetische Zelle, ein synthetisch nachgebautes Genom. Das Projekt wird schon seit Jahren von den großen Agrarkonzernen wie Monsanto, aber auch Energiekonzernen finanziert. Die Erschaffung von „künstlichen Leben“ bezeichnet Venter als „wichtigen philosophischen Schritt in der Geschichte unserer Gattung“, und erhofft dadurch „Bakterien zu entwickeln, die CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen können“ und „die Herstellung von Bio-Sprit aus Zuckerrohr“ damit zu verbessern[10]. Was weder „die Büchse der Pandora“, noch die „Neuschaffung von Leben“ ist, zeigt umso mehr die auf die Spitze getriebene mechanistische Anschauung der Welt: „Das Leben“ ist für Venter und Co. eine synthetische Neuzusammensetzung einer Genstruktur. Nicht die Veränderung der Genetik aus der eigenen Widersprüchlichkeit, sondern durch eine mechanische Neuzusammensetzung. Hingegen: „Für den Metaphysiker sind die Dinge und ihre Gedankenabbilder, die Begriffe, vereinzelte, eins nach dem andern und ohne das andre zu betrachtende, feste, starre, ein für allemal gegebne Gegenstände der Untersuchung. Er denkt in lauter unvermittelten Gegensätzen; seine Rede ist ja, ja, nein, nein, was darüber ist, das ist von Übel. Für ihn existiert ein Ding entweder, oder es existiert nicht: Ein Ding kann ebensowenig zugleich es selbst und ein andres sein. Positiv und negativ schließen einander absolut aus; Ursache und Wirkung stehn ebenso in starrem Gegensatz zueinander.“[11]

 

Dünger als Instrument zur Fortsetzung der Revolution im Sozialismus

Die Macht in den Händen des Proletariats und der Volksmassen, die Diktatur des Proletariats, hat dem Dünger seinen fortschrittlichen Charakter auf höherer Stufe wiedergegeben. „(…) Nur die Großproduktion von vergesellschaftetem Typus ist fähig, die Ergebnisse der Landwirtschaft und der neuen Technik vollständig auszuwerten und die Entwicklung unserer Landwirtschaft mit Siebenmeilenschritten vorwärtszubringen.“[12] Die Kollektivierung der Dorfwirtschaft und die Vergesellschaftung der Produktionsmittel waren eine wesentliche Voraussetzung für die Anwendung der modernen Technologie und die Weiterentwicklung der proletarischen Wissenschaft in der Landwirtschaft. Die Kolchosewirtschaft ihrerseits schuf wiederum günstige Bedingungen für die Weiterentwicklung der sozialistisch betriebenen Wissenschaft. Durch eine feste Verbindung von Theorie und Praxis wurden Probleme in der landwirtschaftlichen Produktion mit Hilfe der Methode des historisch-dialektischen Materialismus erfolgreich gelöst. Daher war es kein Zufall, dass sich die fortschrittlichste Lehre in der Naturwissenschaft in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der Sowjetunion, in der ersten umfassenden Diktatur des Proletariats, Sprunghaft entwickelte. „Die von Akademiemitglied Lyssenko ausgearbeitete Theorie der Entwicklungsstadien hat in wissenschaftlicher Weise die Gesetzmäßigkeiten aufgedeckt, denen die individuelle Entwicklung der Pflanzen unterliegt. Sie zeigt, dass die individuelle Entwicklung einer Pflanze nicht nur in einfachen altersmäßigen Veränderungen oder in einer Zunahme der Masse dieser Pflanze besteht, sondern dass sie qualitative Veränderungen, den Übergang von einem bestimmten qualitativen Zustand der Vegetationspunkte in einen anderen umfasst. Dadurch werden die Stadien in der individuellen Entwicklung der Pflanze bestimmt, und die Pflanze selbst stellt in jedem einzelnen Entwicklungsstadium andere Anforderungen an die Umweltbedingungen. Die Theorie der Entwicklungsstadien ermöglicht eine gelenkte Veränderung der Erbanlagen eines pflanzlichen Organismus, sie ermöglicht es, dass wir in die Wachstums- und Entwicklungsprozesse der Pflanzen eingreifen, um damit bestimmte praktische Ziele zu erreichen. So gelang es Lyssenko beispielsweise auf Grund dieser Theorie, die Ursachen für den im Süden auftretenden Abbau der Kartoffel aufzudecken. Durch eine Verschiebung des Pflanztermins, wodurch die Zeit der Knollenbildung nicht in die Periode der hohen Sommertemperaturen fällt, gelang es, im sogenannten Spätpflanzverfahren stabile Kartoffelerträge auch für die Bezirke des Südens zu sichern und den Transport von Saatkartoffeln aus dem Norden nach dem Süden überflüssig zu machen. Eine richtig aufgedeckte biologische Gesetzmäßigkeit ermöglichte es demzufolge, die Kartoffelproduktion im Süden zu sichern und die Erträge zu steigern.“[13]

In der Großen Proletarischen Kulturrevolution, geführt vom Vorsitzenden Mao Zedong, wurde die Frage der landwirtschaftlichen Produktion in erster Linie durch den Kampf der zwei Linien behandelt. „Sobald die richtigen Ideen, die die fortschrittliche Klasse repräsentieren, von den Massen beherrscht werden, werden sie zur materiellen Gewalt, welche die Gesellschaft und die Welt umgestaltet.“[14] Mit dem wichtigen Aufruf „Lernt in der Landwirtschaft von Dadschai!“, den Mao Zedong 1964 als Aufruf zur Umgestaltung der Landwirtschaft erlassen hat, lernten die Volksmassen die Landwirtschaft im Dienst der Revolution zu betreiben, die Politik an die Spitze zu stellen. Dieser Aufruf erfolgte im sich verschärfenden Klassenkampf in der chinesischen Gesellschaft. Zuvor wurde die Kunstdüngerproduktion Chinas zwischen 1949 und 1958 um das 30fache gesteigert, was 811.000 t entsprach[15]. Es gab Kräfte in der Kommunistischen Partei Chinas, die sich im Sinne der Theorie von der „Entwicklung der Produktivkräfte“ mit diesem wichtigen Sprung in der Produktion begnügten und nicht darüber hinausgehen wollten. Doch Mao Zedong stellte die Politik  in den Vordergrund, womit er erklärte, dass solche Entwicklungen zwar wichtig und gut sind, aber das schlussendlich entscheidende Kettenglied nicht bloß in der Düngemittelproduktion besteht, sondern darin, dass das Proletariat und die Werktätigen die Landwirtschaft (und damit auch die Frage des Düngers) im Dienst der Revolution umgestalten und führen können.  Dadschai war eine Produktionsbrigade in der Gebirgslandschaft der nordchinesischen Povinz Schansi, die unter Führung der Kommunistischen Partei Chinas von einem sehr armen Dorf in ein aufstrebendes, sozialistisches Dorf umgewandelt wurde und den Weg für die Entwicklung der sozialistischen Landwirtschaft aufzeigte. Durch die landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft erhöhte sich der Ertrag der Ernte in Dadschai um 50%. Ausgehend von diesem Beispiel wurde in der Wentjüantun-Produktionsbrigade, in der Provinz Hopeh, die im Norden Chinas liegt, gegen den niedrigen Ernteertrag von Obstbäumen und Mais gekämpft. Durch die Anwendung der proletarischen Ideologie und gründlicher Forschung kamen die Mitglieder der Brigade zur Erkenntnis, dass der niedrige Ertrag hauptsächlich an der nicht übereinstimmenden Blütezeit der Pflanzen lag. Sie lernten, dass bei der Züchtung von Saatgut auch die gegebene Umwelt und die besonderen Bedingungen eine Rolle spielen und verschiedene Widersprüche gelöst werden müssen, um den Ertrag zu steigern: „In jeder Entwicklungsphase und unter Einwirkung verschiedenen Faktoren durchläuft die Pflanze einen komplizierten widersprüchlichen Prozeß von Abhängigkeit und Kampf. Wenn diese Gegensätze richtig bloßgelegt und behandelt würden, so daß sie sich ineinander verwandeln könnten, müßte man bei der Züchtung von Heterosis-Saatgut einen hohen Ertrag erzielen“[16] So konnten durch die Produktionsbrigade zusätzlich zum Eigenbedarf 250.000 kg hochwertiges Saatgut an 15 andere Provinzen und Städte geliefert werden und zusätzlich 150 Agrotechniker ausgebildet werden.

Die Massen kämpften unter der Losung „Selbstvertrauen und harte Arbeit“ für die Neuschaffung der Natur und veränderten die Natur im Dienst der Fortsetzung der Revolution im Sozialismus. Damit wurde in der Großen Proletarische Kulturrevolution in der gesellschaftlichen Praxis mit aller Härte jede falsche Theorie über die Unveränderlichkeit und die „kreisförmige Bewegung“ in der Natur zerschlagen. Sie zeigten, dass durch die richtige Behandlung der Widersprüche eine Pflanze aus sich selbst heraus bewusst verändert werden kann.


Der Charakter der Düngemittel ist die Frage der Macht!

Der Großteil der Menschen lebt heute in unterdrückten Nationen, die vom Imperialismus geknechtet sind, in denen bürokratischer Kapitalismus eingesetzt wird und damit Halbfeudalismus und Feudalismus konserviert werden. Die Monopolkonzerne in der Saatgut- und Düngemittelproduktion schlagen große Profite aus den in Halbfeudalität gezwungenen Bauern der unterdrückten Länder. Dazu zwei Beispiele: In Paraguay sind 96% der landwirtschaftlich nutzbaren Böden, 3,5 Millionen Hektar, in den Händen von imperialistischen Agarindustriekonzernen. Nur auf vier Prozent der Böden werden Nahrungsmittel für die Bevölkerung angepflanzt. Obwohl die lange Tradition und Vielseitigkeit der Landwirtschaft in Paraguay über 900 Sorten an Saatgut hervorgebracht hat, wird heute hauptsächlich Soja für die Viehfutterproduktion und die Produktion von Öl angepflanzt, 70% des Obsts und Gemüses müssen importiert werden. 100% der Sojasorten sind gentechnisch verändertes Saatgut von Monsanto, dass resistent gegen Glyphosat ist, dafür müssen die Bauern Lizenz zahlen. Im Volksmund wird das Roundup „Allestöter“ genannt, weil es alle anderen Pflanzenarten und auch Lebewesen tötet und somit massiv die Verwüstung des Bodens fördert. Die Agrarkonzerne wie Monsanto argumentieren, dass sie dabei helfen würden, die Welternährung zu sichern.  Was sich zeigt ist jedoch, dass die gesamte Ökonomie den imperialistischen Interessen untergeordnet wird, nur um die von ihnen eingesetzten Produkte herzustellen. Obwohl über 900 Sorten an Saatgut unter den konkreten Bedingungen hervorgebracht wurden, wird nur das Saatgut der Imperialisten verwendet. Das dient nicht dazu die Bevölkerung zu ernähren, sondern den Profit der Monopolkonzerne zu steigern. Das über 70% des Obsts und Gemüses importiert werden müssen zeigt, dass die gesamte landwirtschaftliche Produktion dem Interesse der Imperialisten untergeordnet ist. Dadurch wurden vor allem die Abhängigkeit und die Lebensbedingungen der Bauern verschärft.

Ein weiteres Beispiel, das die Verschärfung der Widersprüche durch die Imperialisten in der Agrarindustrie zeigt, ist die Lage der Bauernschaft in Indien. In Indien begingen in den letzten 20 Jahren mehr als 300.000 BäuerInnen Selbstmord (nach „India‘s National Crime Records Bureau“). Die BäuerInnen sind dazu gezwungen Kredite mit extrem hohen Zinsen anzunehmen und gleichzeitig wird beispielsweise durch genetisch verändertes Saatgut von Monsanto die Abhängigkeit der Bauern weiter vertieft. Das Saatgut von Monsanto darf nicht und kann in sehr vielen Fällen auch nicht, für das nächste Jahr wiederverwendet werden, sondern muss jedes Jahr neu gekauft werden. So lässt die imperialistische Politik die Anzahl an Selbstmorden steigen, befeuert aber auch die Rebellionen und sozialen Kämpfe. Die Kommunistische Partei Indiens (maoistisch) vertritt in ihren Resolutionen des 9.Kongresses die Interessen der Bauernschaft gegen die imperialistische Raubpolitik: „Dieser Kongress ruft die BäuerInnen dazu auf, zu fordern dass alle Schulden der Bauernschaft erlassen werden, agrikulturelle Fördermittel wiederaufgestellt, Investitionen in Bewässerungsanlagen und andere agrikulturelle Notwendigkeiten aufgestockt werden, dass ein angemessener Preis für landwirtschaftliche Produkte zu zahlen ist und für das Verbot von MNC [Multinational Corporations/Multinationale Konzerne – Anm.] wie Monsanto und ihrem GM [Genetically Modified/genmanipuliertes – Anm.] Saatgut, sowie er zu Widerstand gegen die Politik der Liberalisierung, Privatisierung und Globalisierung aufruft. Nur die Neudemokratische Revolution wird die Probleme der BäuerInnenschaft lösen. Während wir für unmittelbare Forderungen kämpfen, organisieren wir gleichzeitig die breiten Massen der BäuerInnenschaft für die Intensivierung des bewaffneten Kampfes zur Zerschlagung des halb-kolonialen, halb-feudalen Systems.“[17]

Durch die Ausbeutung von Mensch und Natur fördern die Düngemittel im Imperialismus die Zuspitzung der Widersprüche, vor allem des Hauptwiderspruchs zwischen Imperialismus und unterdrückten Völkern und Nationen, was an diesem Beispiel gut zu sehen ist. Immer mehr bringen sie die Bauernschaft und Volksmassen in Widerspruch und Kampf gegen das imperialistische System. Der Zustand der Umwelt, der Natur und die Lage der Volksmassen drängen dazu, diesen Widerspruch zu lösen, drängen zur neudemokratischen und sozialistischen Revolution, um die Produktion in den Dienst der Entwicklung der Menschheit zu stellen. Die Düngemittelproduktion im Imperialismus und die bürgerliche Naturwissenschaft repräsentieren die Fäulnis und den parasitären Charakter des Imperialismus, er kann den ausgebeuteten und unterdrückten Volksmassen nichts bieten. Nur die politische Macht in den Händen der Volksmassen unter der Diktatur des Proletariats, kann die Entwicklung der Naturwissenschaften und so auch der landwirtschaftlichen Produktion im Dienste der Menschheit entscheidend vorantreiben und entwickeln.

 

Quellen:

[1] T. D. Lyssenko:  Die Situation in der biologischen Wissenschaft

[2]  In der bürgerlichen Forschung gibt es dazu verschiedene Standpunkte, ob Glyphosat als krebserregend klassifiziert werden kann. Dieser Artikel hat nicht die Aufgabe eines medizinischen Fachartikels und geht deshalb nicht näher darauf ein.

[3] Eine Studie der Organisation Corporate Europe Observatory (CEO) zeigt, dass über die Hälfte der 209 für die „Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit“ tätigen WissenschaftlerInnen direkte oder indirekte Verbindungen zu Industriezweigen haben, die sie eigentlich kontrollieren sollen.

[4] W. A. Abramow, Mitschurinsche Biologie und Landwirtschaft in der UdSSR, Moskau 1950, S.10

[5] Mao Zedong, Über den Widerspruch, Ausgewählte Werke Band 1, S.367-368

[6] Mao Zedong, Über den Widerspruch, Ausgewählte Werke Band 1, S.368

[7] W. A. Abramow, Mitschurinsche Biologie und Landwirtsachft in der UdSSR, S.15

[8] T. D. Lyssenko, Die Situation in der biologischen Wissenschaft, Moskau 1948, S.27/28

[9] August Weismann (1834-1914) war ein deutscher Biologe und Evolutionstheoretiker, der sich Ende des 19. Jahrhunderts gegen die Erkenntnisse Darwins stellte und Vertreter der „Keimplasmatheorie“ war, die zu erklären versuchte, warum es keine Vererbung neu erworbener Merkmale geben kann. Seine Lehre ist die theoretische Grundlage der Entwicklung des „Zentralen Dogmas der Molekularbiologie“, das besagt  „Es kann keine sequenzielle Information von Protein zu einem Protein oder zu Nukleinsäure übertragen werden.“(Francis Crick, 1970) , das heute noch als Grundpfeiler der Molekularbiologie gelehrt wird. Weismann wurde 1905 zum Ehrenmitglied der in diesem Jahr in Berlin gegründeten Gesellschaft für Rassenhygiene.

[10] Craig Venter kreiert Kunst-Chromosom, spiegel.de, 6.10.2007

[11] Friedrich Engels, Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft, in Karl Marx/Friedrich Engels Werk. Diez Verlag, Berlin. Band 19, S.204-205

[12] J. Stalin, Fragen des Leninismus, Moskau 1947, S.293

[13] W. A. Abramow, Mitschurinsche Biologie und Landwirtschaft in der UdSSR, S.28

[14] Mao Zedong, Fünf philosophische Monographien, Verlag für fremdsprachige Literatur Peking 1976, S.173-175

[15] Amt für Statistik der VR China: Ein Jahrzehnt der Erfolge, 1960. Anm.: Unter der Kategorie „Kunstdünger“ ist hierbei jeweils Ammoniumnitrat nicht mitgerechnet.

[16] Eine große Schule für Chinas Jugend, Verlag für fremdsprachige Literatur Peking 1976, S. 106

[17] Kommunistische Partei Indiens (maoistisch): Resolutionen des 9. Kongresses / Einheitskongresses, Partisan-Literaturvertrieb 2012, S.17