In Villingen Schwenningen kam es am ersten Juli im Rahmen eines Stadtfestes zu größeren Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und Sicherheitskräften. Die Besonderheit hierbei ist, dass sowohl Stadt als auch die Polizei erstmalig letzte Woche, also mehr als drei Wochen nach den Ereignissen gegenüber der Öffentlichkeit darüber Berichten .

Das genannte Stadtfest, die „lange Kulturnacht“ ist eine regelmäßig stattfindende Großveranstaltung welche jeden ersten Samstag im Juli in der Schwenninger Innenstadt stattfindet. Dabei gibt es verschiedene Stände für Essen und Getränke, vier Open-Air Bühnen mit Livemusik und tausende von Besuchern. Allein in diesem Jahr sprachen die Veranstalter von rund 17.000 Besuchern. Im Rahmen dieses Festes kam es in den letzten Jahren allerdings auch am Rande des Events zu Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und der Polizei. Trotz eines verstärkten Sicherheitskonzeptes der Stadt, wobei sie verstärkt Kräfte von Polizei und Ordnungsamt auf dem Gebiet des Festes und in den Nebenstraßen patroulieren ließen, riss diese Kontinuität auch dieses Jahr nicht ab.

 

Schon gegen zweiundzwanzig Uhr soll die Polizei laut eigener Aussage, an den Randbereichen eine zunehmend aggressivere Stimmung wahrgenommen haben. Es soll zu mehren Provokationen gegen Polizei und Ordnungsamt gekommen sein. Auch kleinere Auseinandersetzungen soll es gegeben haben. Gegen 23 Uhr soll die Situation dann eskaliert sein. Laut Behauptung der Polizei wurde plötzlich ein Böller in Richtung der Einsatzkräfte geworfen. „Dieser traf zunächst den Kopf eines Beamten und prallte in Richtung Brust eines weiteren Beamten ab. Dieser wehrte ihn mit einer Handbewegung ab und schlug ihn zu Boden, wo er schließlich explodierte“, heißt es in der Darstellung von Polizei und Stadt. In den folgenden Minuten flogen weitere Böller und plötzlich sollen die hinzugezogenen Einsatzkräfte einer aggressiven Menschenmenge zwischen 100 und 300 überwiegend jungen Personen gegenübergestanden haben.

 

Im Rahmen der Auseinandersetzungen sollen fünf Psuedobullen des Ordnungsamtes und eine Polizistin verletzt worden sein. Unter anderem sollen eimzelne von ihnen schwere Knalltraumata erlitten haben, welche auch über eine Woche nach den Ereignissen noch Auswirkungen gezeigt haben. Eine Person, die beschuldigt wird Böller in Richtung der Polizei geworfen zu haben wurde festgenommen. Dazu soll es laut bürgerlichen Zeitungen noch zu fünf Straf- sowie sieben Ordnungswiedrigkeitsanzeigen, acht Platzverweisen und drei erkennungsdienstlichen Behandlungen gegen angeblich beteiligte Personen gekommen sein.

 

Auch wenn es in den Vergangenen Jahren bei jenem Fest schon öfters zu Auseinandersetzungen mit der Polizei kam gibt es dieses Jahr einige Besonderheiten. So scheinen die Auseinandersetzungen dieses Jahr im Vergleich zu den letzten Jahren in ihrer Qualität gewachsen zu sein. Entsprechend heißt es in dem veröffentlichten Bericht: „Die Randerscheinungen in den Nebenstraßen, wie Uhlandstraße oder beim C&A, hatten wir bereits in den vergangenen Jahren. Die vielen Auseinandersetzungen, die aggressive Stimmung, die Angriffe auf die KOD-Kräfte stellten für uns eine neue Herausforderung dar.“

 

Die offensichtlichste Besonderheit ist allerdings, dass im Nachgang der Ereignisse erst mal gar nicht über diese berichtet wurde. Erst über drei Wochen nach den Auseinandersetzungen wurde das erste mal von Stadt und Polizei in einer gemeinsamen Stellungnahme über diese berichtet. Der Oberbürgermeister von Villingen-Schwenningen Jürgen Roth spricht von „internen Abstimmungsfehlern“, das Polizeipräsidium von Konstanz spricht von internen Missverständnissen bei der Berichterstattung, unter anderem soll die falsche Zuordnung der Landkreise und ein unterschiedlich interpretiertes Gespräch mit einer Ordnungskraft dafür gesorgt haben, dass dieser Vorgang als bearbeitet abgetan und anschließend nicht weiter bearbeitet wurde.

Diese Darstellungen klingen allesamt nicht sehr glaubwürdig. Vor allem wenn man bedenkt, dass sonst eigentlich zu gefühlt jedem kiffenden Jugendlichen eine Polizeimeldung veröffentlicht wird. Bei Betrachtung des Geschehenen und der Art und Weise, wie damit umgegangen wird liegt der Verdacht nahe, dass von der Stadt gezielt versucht wurde jene Ereignisse unter den Tisch zu kehren. Möglicherweise hatten Verantwortliche Politiker sorge, dass die Geschehnisse am ersten Juli schlecht für das Image der Stadt sind. Außerdem bedeuten solche Ereignisse für die Herrschenden auch immer einen Kontrollverlust, wodurch die Massen sehen können, dass die herrschenden Verhältnisse definitiv nicht unangreifbar sind.

 

Für das nächste Jahr sind bei jenem Fest neue verstärkte Sicherheitsmaßnahmen geplant. Zu diesen Maßnahen gehört unter anderem „erkannten Störern den Zutritt künftig zu verweigern, dass Verbot des Mitführens von Böllern durchzusetzen und die restriktivere Handhabung des Alkoholausschanks zu prüfen“. Um dies Durchzusetzen benötigt es noch mehr Personenkontrollen, Durchsuchungen, Einschränkungen kurzum noch mehr repressive Maßnahmen gegen die Jugend. Ob diese jedoch tatsächlich die ansteigende Wut und den Widerstand der Massen bändigen können ist fraglich.