Dass man den Überbringer einer schlechten Nachricht nicht töten soll, ist eine Binsenweisheit in vielen Kulturen. Genau dieses Schicksal droht aber Julian Assange. Denn der Whistleblower wird psychisch gefoltert, z.B. durch Isolationshaft. Dies stellt selbst der UN-Rechtsexperte Nils Melzer seit über einem Jahr öffentlich fest: "In 20 Jahren Arbeit mit Opfern von Krieg, Gewalt und politischer Verfolgung habe ich es nie erlebt, dass sich eine Gruppe demokratischer Staaten zusammentut, um eine einzelne Person derart willkürlich zu isolieren, zu dämonisieren und zu missbrauchen." Aber die Öffentlichkeit der stolzen demokratischen Staaten interessiert das nicht.

Erst ein Jahr nach den Veröffentlichungen beziehen auch 120 deutsche Intellektuelle Stellung gegen die Folter Assanges. Das hat einen faden Beigeschmack, wenn ausgediente Handlanger der herrschenden Klasse, wie Sigmar Gabriel, unbedingt klarstellen, dass es ihnen nur um Assanges Haftbedingungen ginge und nicht um die Frage seiner Schuld bzw. Unschuld. Die Aufdeckung imperialistischer Gräueltaten bringt schließlich auch unsere Bonzen in Erklärungsnot.

Jetzt droht Assange außerdem ein Auslieferungsverfahren mit der USA. Die USA, die traditionell äußerst brutal mit ihren Feinden verfährt, drohen ihm mit 175 Jahren Gefängnis oder sogar Hinrichtung. Zum Feind erklärten ihn die Yankees, weil er über die Plattform Wikileaks US-Völkermorde im Irak und Afghanistan aufgedeckt hat. Dieser Fall zeigt einmal mehr, wie wenig ihre viel gelobte Rechtsstaatlichkeit und freiheitlichen Werte wert sind, wenn man politisch unbequem ist. Es zeigt das wahre Gesicht ihrer Demokratie, denn Massenmörder das sind sie. Was Assange bisher tatsächlich geholfen hat, ist die Solidarität seiner Mitgefangenen. Auch durch ihren Protest konnte er die Isolationshaft verlassen und ist nun in einem Flügel mit 40 weiteren Insassen eingekerkert.

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