Zum Fahrplanwechsel am 10. Dezember reduzieren die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ihr Busangebot drastisch. Grund dafür, ist laut dem Unternehmen Personalmangel.

Bereits jetzt können 2,5 Prozent der vereinbarten Fahrleistung nicht erbracht werden, weil 350 Busfahrer fehlen. Die kommenden Ausfälle in der Bus-Versorgung entsprechen einem ganzen Bezirk. Umgerechnet auf den Bezirk Spandau, würden die neuen BVG-Pläne bedeuten, dass hier gar keine Busse mehr fahren würden, sondern nur noch die U-Bahnlinie 7. Zwar sollen laut der BVG vor allem von Touristen nachgefragten Linien von den Kürzungen betroffen sein, jedoch werden auch die Buslinien außerhalb des Zentrums reduziert angefahren werden. Das ÖPNV-Netz in den Randbezirken Berlins ist im Vergleich zum Stadtzentrum dünn ausgebaut. Hier leben vor allem Arbeiter, die oft vom Stadtrand zu ihrer Arbeitsstelle im Zentrum, oder in einer anderen Ecke der Stadt pendeln, welche von den Kürzungen also ebenso betroffen sein werden, und diese am deutlichsten zu spüren bekommen werden, da im Zentrum mehr Ausweichmöglichkeiten bestehen, als in den Randbezirken.

 

Die Situation für die Arbeiter in den ohnehin schon überfüllten Bussen, aber auch für die Fahrer, die den Frust der Leute meist ungerechtfertigter weise abbekommen, wird sich verschlechtern.

 

Die Arbeitsbedingungen der Busfahrer sind nicht nur in diesem Aspekt schlecht:

 

Die Rahmenbedingungen im Berliner Straßenverkehr sind geprägt von zu engen oder einfach nicht vorhandenen Busspuren, ständigen Baustellen und dem fragwürdigen Fahrstil einiger Verkehrsteilnehmer, kurz gesagt, bedeutet es täglich viel Stress. Hinzukommt, dass die BVG ihre Busfahrer zusätzlich unter Druck setzt, um sich einen Personalmehrbedarf von mindestens 100 Busfahrern zu sparen, denn die reale Geschwindigkeit im Busverkehr liegt bei durchschnittlich 17,8 Stundenkilometern, statt 18,9 Stundenkilometern, die im Fahrplan angenommen werden.

 

Die Busfahrer arbeiten im Dreischichtsystem, aber selbst die Personalchefin der BVG sagt, dass dieser Beruf eine 24/7 Tätigkeit ist. So ist es nicht verwunderlich, dass es ständig viele Ausfälle auf Grund von Krankheit gibt. Dieses Problem ist der BVG natürlich auch nicht entgangen, weshalb sie routinemäßige Gesundheitschecks bei den Busfahrern durchführen, um sie auf Fahrtüchtigkeit zu prüfen. Doch diese Checks sind eher Schein als Sein. Laut Aussagen von Arbeitern, die unseren Korrespondenten gegenüber gemacht wurden, werden Personen mit schlechten, bzw. grenzwertigen Werten durchgewunken. Das gefährdet in erster Linie die Busfahrer, aber auch die Fahrgäste.

 

Erst zu Beginn des Jahres stellte die BVG ein Erweiterungs-Konzept für den ÖPNV vor. Das Unternehmen will in den nächsten Jahren 10.000 neue Leute einstellen. Um den Lohn oder die Arbeitsbedingungen nicht verbessern zu müssen, und trotzdem neue Leute anzuwerben, bedient sich die BVG dem faulen Trick der Einmalzahlung. Jeder BVG-Arbeiter, der jemanden anwirbt, der daraufhin fest angestellt wird, bekommt eine Prämie von 1.500 Euro. Zudem wird eine aggressive Werbekampagne gefahren. Die sogenannte „schnelle Eingreiftruppe“ wird immer dann aktiv, wenn irgendwo bekannt wird, dass Unternehmen in anderen Branchen Filialen in Berlin schließen und Personal abbauen.

 

Quelle Titelbild: https://img.morgenpost.de/img/berlin/crop240603998/3627656191-w1200-cv16_9-q85/Bus-der-BVG-in-Berlin.jpg