Nachdem Polens Herrschende im Bündnis mit der katholischen Kirchen ein defacto Abtreibungsverbot beschlossen haben, regt sich immer mehr Widerstand.

 

Schon vorher konnte man einen Schwangerschaftsabbruch nur bekommen, wenn die Geburt die Gesundheit der Mutter gefährdet, die Schwangerschaft die Folge einer Vergewaltigung ist oder das Ungeborene schwere Fehlbildungen aufweist. Letzteres soll in Zukunft verboten sein. Zudem ermöglicht das polnische Recht, dass Ärzte einen Abbruch aus Gewissensgründen ablehnen dürfen, was in dem stark katholischen Land eine weitere spürbare Erschwernis darstellt.

 

Diese Rechtsreform ist ein weiterer Angriff auf die Selbstbestimmung der Frau. Er zielt darauf ab sie noch mehr auf die Rolle der Mutter und die Unterordnung unter ein konservatives Familienbild festzuschreiben. Dagegen wehren sich immer mehr Polen mit Massendemonstranstrationen in Warszawa, Kraków, Wrocław und selbst Kleinstädten. 430.000 waren beim nationalen Frauenstreik auf der Straße, eine thematisch angepasste Version von Bella Ciao wurde geungen. Die weitere Einschränkung  von Schwangerschaftsabbrüchen war dabei nur der Funken an der Lunte. Viele Polen sind wütend wegen dem katholisch-konservativen Geschlechter- und Familienbild, das die Herrschenden seit Jahrzehnten vorantreiben. "Moja macica nie kaplica", lautet ein Slogan der Demonstranten: "Meine Gebärmutter ist keine Kapelle". Wie gerade überall auf der Welt versucht der Staat die Proteste unter dem Vorwand einer Ansteckungsgefahr mit Covid19 zu unterdrücken.

 

Derartige Gesetzesänderungen in Polen oder Russland, wo häusliche Gewalt kürzlich zur Ordnungswidrigkeit herabgestuft wurde, zeigen immer wieder, dass das Patriarchat nicht erst von Migranten nach Europa importiert wird, wie Rechten immer wieder behaupten. Der bürgerlichen Gesellschaft ist die Unterdrückung der Frau eingeschrieben, indem die Rolle der Mutter und das Zurückstecken gegenüber den Bedürfnissen des Mannes zum Wesen des Frauseins erklärt wird. Dagegen müssen Frauen organisiert im Kampf für den Sozialismus angehen. In Polen, wo der Antikommunismus schwere Wunden geschlagen hat, fehlt so eine Bewegung mehr denn je.