Bei einem Angriff der Militärpolizei von Sao Paulo auf eine Ball, einem der weltberühmten örtlichen Straßenfeste, der zweitgrößten Favela Paraisopolis, starben am Samstag morgen neun Jugendliche.

Die Menschen im Viertel sind sicher: Dieser Polizeieinsatz war eine Vergeltung für einen Polizeibeamten, der einen Monat zuvor bei einem Schusswechsel mit Drogendealern in der Favela ums Leben gekommen war.

Das im Süden gelegene Paraisopolis beherbergt etwa 100.000 Menschen in unmittelbarer Nähe zu mehreren der bürgerlichsten Teile der Stadt. Wie in anderen Favelas, die nicht direkt von der Polizei besetzt sind, werden in dieser häufig Feste und Feiern im Freien organisiert. Kein Wunder, dass etwa 5.000 junge Leute aus ganz Sao Paulo in einer Freitagsnacht zum Tanzen zusammen kamen und zu Funkmusik feierten und sich die Polizisten entschieden  ihre Vergeltungsoperation gegen die Anwohner durchzuführen, um den Tod eines in derselben Nachbarschaft getöteten Polizisten zu "rächen".

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Unter dem fadenscheinigen Vorwand, ein Paar auf einem Motorrad zu verfolgen, dass bei einem Schusswechsel mit der Polizei beteiligt war, umstellte die Militärpolizei den Ball, indem sie Ausgänge absperrte, und anfing die Jugendlichen wahllos zu terrorisieren, indem sie Tränengas und Pfefferspray Gummigeschosse und scharfe Munition einsetzten, und viele von ihnen schlugen und würgten. Es gibt Videos von Jugendlichen, die von der Polizei in die Enge getrieben wurden, als sie von hinten bewusstlos geschlagen und gewürgt wurden, und von vielen anderen, die sich aufgrund von Panik und Tränengas krank fühlten. Nach der Angaben der Polizei und des Gouverneurs, der diese Operation verteidigt, starben jedoch alle neun nicht durch die Polizei getötet wurden, sondern bei einer Panik, die durch den angeblich gerechtfertigten Polizeieinsatz ausbrach, zu Tode getrampelt wurden oder erstickten.

Die Ausführungen in den Berichten und Äußerungen der vielen Bewohner der Favela und ihrer Vertreter zeichnet ein viel klareres Bild der Situation: Ihnen zufolge gab es bereits vor dem Polizeieinsatz Gerüchte, Whats-Up-Chat-Protokolle und Sprachnachrichten von Polizei-Chat-Gruppen über eine bevorstehende Polizeiaktion, um die Bewohner der Favela für den Tod ihres Kollegen bezahlen zu lassen. In dieses Bild passt es gut, dass die bewaffnete Polizei während der Operation verwundete Jugendliche daran hinderte, Hilfe von anderen Bewohnern zu erhalten. Sie drohten ihnen mit gezogenen Waffen und sagten, dass „in dieser Nacht niemand zu retten ist“. Als wäre dies nicht genug, berichteten auch die deutsche bürgerlichen Medien davon, dass sich nach dem Massaker in Rängen der Polizei beschwert worden sei, dass bei dem Vorfall „zu wenige“ Menschen tatsächlich ums Leben gekommen seien.

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Der jüngste der Getöteten war 14, der älteste 23. Um ihnen zu gedenken und diese Tode durch die Hände der Polizei anzuprangern, sei es, indem die Jugendlichen direkt geschlagen und vergast wurden oder indem durch den willkürlichen Polizeiterror Unruhen und Panik ausgelösten, fanden eine Demonstration Aktionen statt, von denen auch die Genossen von A Nova Democracia berichtet haben.

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