Erneut kommt es heute in Kolumbien zu einem landesweiten Streik, wobei seit dem Letzten, der am Vergangenen Donnerstag stattfand, noch keine Woche vergangen ist. Dennoch: Seitdem hat es inzwischen sechs Tage intensiver Kämpfe gegeben, die in dem gewaltigen Aufstand der Massen vergangene Woche ihren Ursprung haben. Hunderttausende Menschen gingen an diesem Tag überall im Land auf die Straße und viele von ihnen kämpfen seit dem durchgehend.

Video von El Comunero welches einige der Kämpfe der letzten sechs Tage zeigt

Von der Reaktion mit Furcht entgegengesehen und von der Regierung bereits im Vorfeld auf ärgste Stimmung gegen gemacht, fand am 21. November unter massenhafter Beteiligung des kolumbianischen Volkes der landesweite Streik statt. Die grassierende Korruption anprangernd und, unter anderem, gegen die Anwendung neuer wirtschaftlicher Maßnahmen (wie die geplante Arbeits- und Rentenreform), gegen die andauernden Morde an der indigenen Bevölkerung und an politischen Aktivisten sowie an der fortgeführten Zerstörung und Ausbeutung der natürlichen Reichtümer des Landes protestierend gingen mehr als 250.000 Menschen an dem Tag in unterschiedlichen Städten auf die Straße.

Cali

Medellin

Bogota

Bogota

 

Von Anfang an hat die Reaktion versucht, die Mobilisierung für den landesweiten Streik, zu dem zahlreiche Gewerkschaften, demokratische Organisationen und revolutionäre Kräfte aufgerufen hatten, zu sabotieren:

Wochen vor dem landesweiten Streik der für den 21. November von den großen Gewerkschaften einberufen wurde, hat die Regierung von Duque, mit angsterfülltem Blick auf die großen Volksaufstände die sich durch Lateinamerika ziehen, eine Kampagne entwickelt um der Demonstration entgegenzuarbeiten. Die Regierungspartei behauptete, die Mobilisierung sei angetrieben von “internationalen anarchistischen und gewalttätigen Gruppen” und das dies ein Plan für die “Destabilisierung der Regierung” wäre. Als dies jedoch die Menschen nicht einschüchterte, welche sich weiterhin dem Aufruf zum Protest anschlossen, entschied sich die Regierung für die Taktik, den Protest als solchen nicht weiter zu stigmatisieren, sondern stattdessen die Art von Protest. In Einklang mit der Kirche, den Massenmedien und natürlich den opportunistischen Parteien (Farc, Menschliches Kolumbien, Grüne, Polo) rief es dazu auf, “Gewalt” zu verurteilen.

- Bericht zum 1. Nationalstreik von El Comunero

Während die Regierung aber dazu aufrief, jede etwaige Gewalt auf Seiten der Demonstranten zu verurteilen, setzte sie selbst alle Repressionsapparate in Bewegung um im Vorhinein einzuschüchtern und die Proteste zu behindern: In den Tagen von den Demonstrationen wurde mehrere (teilweise selbst nach bürgerlichem Recht illegale) Razzien gegen Wohnungen und Kulturzentren politischer Aktivisten durchgeführt, die Armee zur Patrouille auf Bogotas Straßen geschickt und ein Sonderdekret erlassen, dass die Bürgermeister und Landespräsidenten dazu berechtigt “außergewöhnliche Maßnahmen zu ergreifen um die Sicherheit und Öffentliche Ordnung zu garantieren”, was unter anderem auch die Befugnis zur Ausrufung von Ausgangssperren beinhaltet. Zusätzlich wurden Landesgrenzen geschlossen.

Colombia National Strike Military Patrol

All das hielt jedoch die Menschen nicht davon ab, sich Massenhaft an den Demonstrationen zu beteiligen von denen die größten in Suba, Medellín, Santa Isabel, Cali und Bogotá stattfanden (aber nicht nur dort). In vielen Fällen wurde ausgehend von den Demos Einrichtungen und Institutionen des Staates direkt angegriffen und die Polizei, vor allem die berüchtigte Aufstandsbekämpfungseinheit ESMAD, konfrontiert. In den Folgetagen verlagerten sich die Kämpfe dann mehr und mehr von den großen Plätzen und Straßen hin zu den proletarischen Vierteln. Insbesondere in Bogotá intensivierte dies den Kämpfe, und so wurden dort unter anderem 60 Kontenpunkte des öffentlichen Verkehrs und 20 Busse teilweise schwer beschädigt. Mehr als 200 Polizisten, welche in vielen Fällen von den Demonstranten fliehen mussten, wurden allein in den ersten drei Tagen des Protests verletzt, woraufhin der Bürgermeister von Bogotá Ausgangssperren erließ.

Auf der anderen Seite hat die Reaktion bis jetzt vier junge Leute ermordet, von denen der letzte der 18 jährige Dilan war, der am Montag seinen Verletzungen erlag, nach dem er am Samstag während einer politischen Demo von einer Tränengasgranate am Kopf getroffen wurde. Von den drei Anderen wurden Zwei von Infanteristen der Bundesarmee von hinten erschossen und dies nicht, weil sich die Soldaten gefährdet sahen, sondern weil die beiden Ermordeten angeblich geplünderte Sachen wegtrugen.

Über die gesamte Periode dieser bisherigen Kämpfe, hat haben die bürgerlichen Medien konsequent versucht, die jungen Demonstranten und Kämpfer (von denen es wegen der andauernden Studentenproteste gegen Korruption und wegen der angekündigten Einstriche im Mindestlohn für junge Leute besonders viele auf die Straße getrieben hat) als unpolitische Randalierer darzustellen. Hierbei wird, genau wie im Vorfeld, das gleiche Narrativ von der Verurteilung aller “Gewalt” benutzt, um die Protestierenden in “friedlich” und “gewalttätig” zu spalten – während zur gleichen Zeit die Polizei und das Militär Demonstranten ermorden.

Videoaufnahmen vom 21. November die zeigen, wie die Bullen Fenster zerschlagen um es den Demonstranten in die Schuhe zu schieben