Die Bundesrepublik Deutschland ist ein Ergebnis des zweiten Weltkrieges, und die deutsche Bourgeoisie versucht diesen Mangel zu beheben. Der deutsche Imperialismus hatte zwei Mal vergeblich versucht die Weltordnung mit militärischer Gewalt zu seinen Gunsten zu verändern. Aus beiden Weltkriegen ging vor allem der US-Imperialismus als Sieger hervor.  Durch die militärische Unterordnung der deutschen Bourgeoisie konnte deren Rolle in der Welt gemäß den Interessen vor allem der USA, aber auch Frankreichs und Großbritanniens definiert werden. Die föderale Bundesrepublik sollte als imperialistischer Konkurrent ungefährlich, doch als antikommunistischer Verbündeter nützlich sein.


Dies brachte den Widerspruch mit sich, dass der Staat der deutschen Bourgeoisie einerseits stark genug sein musste, um auf nationaler Ebene dem Klassenkampf gewachsen zu sein, und sie auf internationaler Ebene zu ihrer Rolle im Kampf gegen den Sozialismus zu befähigen, andererseits sollte der deutsche Staat nicht stark genug sein, um die deutsche Bourgeoisie zu einem Kampf gegen die imperialistische Supermacht USA und die ihr untergeordneten Mächte Frankreich und Britannien zu befähigen.

Ein Aspekt dessen ist der deutsche Föderalismus. Die Aufteilung der legislativen und exekutiven Kompetenzen zwischen dem Bund und den Ländern, erschwert die Durchsetzung einer Fraktion der Bourgeoisie gegen die anderen.
Der Nutzen der demokratisch-liberalen Regierungsform der Diktatur der Bourgeoisie besteht darin, dass die Unzufriedenheit mit der alten Regierung durch Wahlen und Wahlkampf in eine Hoffnung auf die neue Regierung verwandelt wird. So bleibt die Zustimmung zur Diktatur der Bourgeoisie erhalten. Doch dieses einander Ablösen von Parteien an der Macht, die jeweils eine bestimmte Fraktion der Bourgeoisie vertreten, führt im föderalen Deutschland auch zu einer ständigen Verschiebung der Machtverhältnisse innerhalb der Bourgeoisie. So können die Fraktionen sich fortlaufend gegenseitig behindern, und müssen deshalb aufeinander Rücksicht nehmen. So konnte man in den deutschen Medien kürzlich verfolgen, dass die Bundesregierung beim Klimapaket Zugeständnisse an die Grünen gemacht hat – wegen deren Macht im Bundesrat.

Deshalb können die Mittel der deutschen Nation nicht zentralisiert unter einer Führung auf einen Zweck hin ausgerichtet werden. Doch das ist notwendig für die Interessen der deutschen Bourgeoisie. Wenn die deutsche Bourgeoisie sich aus ihrer Abhängigkeit vom US-Imperialismus lösen will, und ihre Interessen unabhängig von ihm, also auch gegen ihn verfolgen will, dann braucht sie einen zentralisierten Staat.

Unter dem Stichwort "Föderalismusreform" wurde immer wieder über dieses Problem debattiert. Doch in ihrer inneren Zerrissenheit konnte sich die deutsche Bourgeoisie nie zu deren Umsetzung durchringen. Doch nun ist sie auf eine elegantere Lösung gekommen. In Zukunft wird der Länderfinanzausgleich abgeschafft. Statt dass die finanzstarken Bundesländer die Haushalte der finanzschwachen Bundesländer ausgleichen, wird der Bund Geld an die Länder verteilen. Dies bringt die Länder in eine ökonomische Abhängigkeit vom Bund, und ordnet sie so unter. Landesregierungen können sich in Zukunft überlegen, ob sie den Weisungen der Bundesregierung folgen, oder auf Finanzmittel verzichten. So hat der deutsche Imperialismus einen bedeutenden Schritt getan, um seine internen Widersprüche so zu organisieren, dass er die äußeren Widersprüche seinen Interessen gemäß gestalten kann.

Dies gilt es zu verstehen. Die Bourgeoisie verfügt nun über einen mehr zentralisierten Staat, und ist somit fähig härter als bisher, konsequenter als bisher zuzuschlagen; gegen ihre Feinde, Innen und Außen. Gegen das Volk in Deutschland und gegen die Völker der Welt. Das ist ein Problem, doch kein Grund sich zu fürchten. Denn diesmal warten die Partisanen nicht nur im Ausland.